Wie Ian Schrager den American Dream lebt

Er ist der personifizierte American Dream und die Design-Ikone der Hotellerie. Wie kein anderer prägte Ian Schrager der Branche seine Handschrift ein. Und der Co-Founder des legendären Nachtclubs Studio 54 ist noch lange nicht fertig damit.
Oktober 3, 2019 | Text: Sarah Helmanseder | Fotos: Weston Wells, Nikolas Koenig, Robin Platzer, Chad Batka

Ian Schragers Leben liest sich wie die Bilderbuchversion des American Dream. Man stelle sich vor: Der Mann, der mit seinen bahnbrechenden Konzepten bestimmt hat, wie Hotels auf der ganzen Welt heute aussehen, war in den 1950er-Jahren ein kleiner Junge in Brooklyn, New York, der nicht auf der Schokoladenseite des Lebens gelandet zu sein schien. Sein Vater, ein Unternehmer im bescheidenen Rahmen, starb, als der Sohn 19 Jahre alt war. Vier Jahre später starb auch seine Mutter. Schrager studierte Rechtswissenschaften, aber bald zeichnete sich ab, dass er nicht sein ganzes Leben lang Justitia zu Diensten sein würde. Am College hatte er sich mit einem gewissen Steve Rubell angefreundet, seinerseits gescheiterter Wirtschaftswissenschafter.

Ian Schrager
Der Trendsetter: Ian Schrager hat in den 80er-Jahren das Boutique-Hotel erfunden und damit für Jahrzehnte die Weichen in der Hotellerie gestellt. Plötzlich drehte sich alles um Design.

Der Selfmademan

1972 eröffneten die beiden zunächst eine Steakhouse-Kette, gefolgt von einer Disco in Queens. Das vornehme Manhattan zog die Jungunternehmer wie magisch an. Sie erwarben eine leer stehende Immobilie, butterten ein Vermögen in die Sanierung und eröffneten am 26. April 1977 den Nachtclub Studio 54, wo sich wenig später schon das Who is who aus Film- und Showbusiness gemeinsam mit New Yorker No-Names die Nächte um die Ohren schlug, eine multi-ethnische, oft bisexuelle Klientel – bewusst von Schrager und Rubell so eingefädelt. „Mixing the salad“ war das Motto der Einlasskontrolle, und so wurde das Studio 54 zu DEM Society-Hotspot schlechthin.

Ian Schragers Leben liest sich wie die Bilderbuchversion des American Dream. Man stelle sich vor: Der Mann, der mit seinen bahnbrechenden Konzepten bestimmt hat, wie Hotels auf der ganzen Welt heute aussehen, war in den 1950er-Jahren ein kleiner Junge in Brooklyn, New York, der nicht auf der Schokoladenseite des Lebens gelandet zu sein schien. Sein Vater, ein Unternehmer im bescheidenen Rahmen, starb, als der Sohn 19 Jahre alt war. Vier Jahre später starb auch seine Mutter. Schrager studierte Rechtswissenschaften, aber bald zeichnete sich ab, dass er nicht sein ganzes Leben lang Justitia zu Diensten sein würde. Am College hatte er sich mit einem gewissen Steve Rubell angefreundet, seinerseits gescheiterter Wirtschaftswissenschafter.

Ian Schrager
Der Trendsetter: Ian Schrager hat in den 80er-Jahren das Boutique-Hotel erfunden und damit für Jahrzehnte die Weichen in der Hotellerie gestellt. Plötzlich drehte sich alles um Design.

Der Selfmademan

1972 eröffneten die beiden zunächst eine Steakhouse-Kette, gefolgt von einer Disco in Queens. Das vornehme Manhattan zog die Jungunternehmer wie magisch an. Sie erwarben eine leer stehende Immobilie, butterten ein Vermögen in die Sanierung und eröffneten am 26. April 1977 den Nachtclub Studio 54, wo sich wenig später schon das Who is who aus Film- und Showbusiness gemeinsam mit New Yorker No-Names die Nächte um die Ohren schlug, eine multi-ethnische, oft bisexuelle Klientel – bewusst von Schrager und Rubell so eingefädelt. „Mixing the salad“ war das Motto der Einlasskontrolle, und so wurde das Studio 54 zu DEM Society-Hotspot schlechthin. Schrager und Rubell waren plötzlich weltberühmt. Zu ihren legendären Partys fanden sich Stars wie Rod Stewart, Frank Sinatra, Diana Ross, Andy Warhol und Elton John ein. 

London Edition Hotel
Prunk und vollendet englischer Stil prägen das Edition Hotel in London.

1979 war es mit dem Glamour vorerst vorbei: Schrager und Rubell wurden wegen angeblicher Steuerhinterziehung zu dreieinhalb Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von 20.000 Dollar pro Kopf verurteilt. Die beiden wanderten bis 1981 hinter Gitter und das Studio 54 wurde verkauft. Mehr als 30 Jahre später erhielt Schrager vom damaligen US-Präsidenten Barack Obama eine Begnadigung. Zu diesem Zeitpunkt war er freilich längst eine Ikone. Denn Rubell und er hatten sich nach ihrer Haftstrafe sofort wieder ins Business gestürzt.

Mit dem Palladium eröffneten sie ihren nächsten Nachtclub, im Gebäude der ehemaligen Academy of Music. Der weltberühmte Architekt Arata Isozaki gestaltete das Konzerthaus gemeinsam mit Künstlern wie Keith Haring so um, dass seine Integrität erhalten blieb und schuf dadurch eine einzigartige, kuratierte Umgebung mit riesigen, mobilen Videoinstallationen auf der Tanzfläche. Schrager hatte dadurch die für seine weitere Karriere bahnbrechende Erkenntnis, dass hervorragende Architektur ihre unmittelbare Umgebung stark beeinflussen kann. Er begann, sich auf Architektur zu fokussieren, arbeitete mit Architekten, Künstlern und Designern zusammen. Und die neue Leidenschaft führte ihn dorthin, wo er sich wie kein anderer verewigte: in die Hotellerie.

Design sind die Special Effects.

Ian Schrager hat seine eigene Definition für Design und vergleicht es mit den Special Effects, die einem Film den Kick verleihen

Die Erfindung des Designhotels

Im von Zweckmäßigkeit und Massenmarkt geprägten Hotelbusiness schlug das Morgans Hotel, 1984 von Schrager und Rubell eröffnet, ein wie eine Bombe. Es war das erste Boutique-Hotel der Welt. Nie zuvor hatte sich jemand sonderlich Gedanken über Design in Verbindung mit Hotels gemacht. Nun wurde es zum Maß aller Dinge. Eine Design-Welle riss die Hotellerie mit sich, und die Richtung gab an: Ian Schrager. „Design ist für mich der integrale Bestandteil eines erfolgreichen Projekts. Es ist so etwas wie die Special Effects in einem tollen Film“, sagt er. Sie sind wichtig, aber sie machen den Film nicht legendär. Es sind dann doch auch die vielen anderen Elemente, die einen Film großartig machen. So ist es auch bei einem Hotel. 

Schrager und Rubell gründeten die Morgans Hotel Group und engagierten Philippe Starck als Designer. Mit dem Royalton Hotel und dem Paramount Hotel erfand Schrager die Konzepte „lobby socializing“, wobei die Lobby als Begegnungszone für Hotelgäste und New Yorker gleichermaßen fungiert, und „cheap chic“, das leistbaren Luxus in stilvoller und kultivierter Atmosphäre bietet. Mit dem Delano Hotel in Miami und dem Mondrian Hotel in West Hollywood begründete er das „urban resort“, und im Hudson Hotel in New York kulminierten seine Konzepte in einem Paradigma, das als Überidee aller seiner Projekte gesehen werden kann: das Hotel als Lifestyle.

Ian Schrager
Vom Nachtclub ins Luxus-
hotel: Die beispiellose Karriere des Ian Schrager begann mit dem Studio 54, erreichte mit dem ersten Design-Hotel der Welt einen Höhepunkt und ist heute, mit der Kooperation mit Marriott, sicher noch lange nicht vorbei.

Weitere von Starck gestaltete Häuser wie das Clift Hotel in San Francisco und das St. Martins Lane Hotel sowie das Sanderson Hotel, beide in London, verschrieben sich dieser Leitlinie, die Schragers Schaffen noch heute bestimmt. Ebenso typisch für Hotels von Schrager ist, dass sie eben nicht typisch sind. Jedes seiner Häuser ist ein Original und Unikat, spiegelt den individuellen Stil der Stadt und die Menschen, die dort leben. Anspruch und Attitüde sind aber immer gleich, und im Mittelpunkt steht für Schrager immer: das Produkt. 

1989 verlor Schrager seinen Partner Rubell, der an AIDS verstarb. Er führte das Geschäft alleine weiter, verkaufte 2005 die Morgans Hotel Group und gründete die Ian Schrager Company. „Ich war einfach dazu bereit, etwas völlig Neues zu beginnen. Vor allem wollte ich mich aber einer neuen Herausforderung stellen“, sagt Schrager. „Man muss ganz einfach hin und wieder aus seiner Komfortzone ausbrechen und sich in neues Terrain begeben. Sonst wird das Leben doch stinklangweilig.“ In Kooperation mit Julian Schnabel transformierte er das Gramercy Park Hotel in New York City und schuf zwei Wohnprojekte in New York City. 

The Royalton Hotel
The Royalton ist New Yorks erstes Designhotel und bis heute eine Institution in der Luxuskategorie.

Hotels that feel different because they don’t act like hotels.

Das Motto der Marke Edition Hotels: Ian Schrager will damit wieder einmal alle Maßstäbe der Hotellerie sprengen.

2011 eröffnete mit dem Public Hotel Chicago das erste Haus der neuen Marke Public, mit dem Konzept „luxury for all“, unabhängig von finanziellen Mitteln. Seit 2017 ist der französische Starkoch Jean-Georges Vongerichten mit an Bord. Gemeinsam planten sie mehrere Public Hotels mit Public Kitchen Restaurants in New York. 

Kooperation der Giganten

2017 ging der Parade-Entrepreneur Schrager eine Kooperation mit Bill Marriott ein. Marriott International ist seit der Übernahme von Starwood die größte Hotelkette der Welt. Gemeinsam schufen sie die neue Marke Edition Hotels mit 100 geplanten Häusern überall auf der Welt. „Edition ist die nächste Generation der Lifestyle-Hotels“, sagt Schrager. „Ein beeindruckender Ort mit unglaublich aufregenden visuellen Eindrücken, außergewöhnlich freundlichem sowie personalisiertem Service, extravaganten Kulinarik-Konzepten und den notwendigen coolen Vibes.“ Oder, wie auf der Homepage zu lesen ist: „Hotels that feel different because they make you feel something. Hotels that don’t act like hotels.“

Aktuell gibt es zehn Häuser am New Yorker Times Square, in Miami Beach, New York City, Bodrum in der Türkei, Barcelona, Shanghai, Abu Dhabi, in der chinesischen Stadt Sanya und in West Hollywood. Für die Jahre 2020 bis 2023 sind die Eröffnungen weiterer 14 Edition Hotels von Reykjavík über Rom bis hin zu Las Vegas und Kuala Lumpur geplant. 

Schrager ist heute 73 Jahre alt und weit entfernt davon, sich nach einem halben Jahrhundert im Business auf seinem Lebenswerk auszuruhen. Die Design-Ikone ist eine unerschöpfliche Quelle genialer Ideen, die der Hotellerie wohl auch in Zukunft noch viele weitere Sternstunden bescheren wird. 

www.ianschragercompany.com

www.editionhotels.com

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